Wie wird öffentliche Meinung gebildet?

Am Beispiel des nationalen Lockdowns in Deutschland kann man sehr schön den Prozess der Meinungsbildung verfolgen. Das konkrete Beispiel hinzu, hat unser letzter Beitrag in der Wissensdatenbank aufgezeigt.

 

Zunächst einmal ein Gedankenexperiment. Stellen Sie sich Folgendes vor: Angela Merkel hätte in einer Pressemitteilung verkündet, dass das Virus da ist und der komplette Lockdown notwendig wird. Stellen wir uns weiter vor: Ausschließlich Angela Merkel hätte dies behauptet und alle Landes- und Kommunalregierungen hätten der Pressemitteilung keine Beachtung geschenkt. Was wäre passiert? Nichts. Es hätte keinen Lockdown gegeben. Dies liegt unter anderem daran, dass jeder Bürger weiß, dass ein Mensch allein nicht alles Wissen der Welt besitzen kann. Nun jetzt kam es aber anders: Der gesamte Bundestag bestehend aus 709 Abgeordneten hat angefangen zu diskutieren und hat im Anschluss mehrheitlich beschlossen. Und wenn hier beschlossen wird, dann wirkt sich dies natürlich auch direkt auf die nächste Ebene, die Landtagsebene mit 1868 Abgeordneten aus. Und dies natürlich wiederrum auf die Kommunalpolitiker. Auch hier kam es zu einer mehrheitlichen Abstimmung für den Lockdown. Dies bedeutet, dass jetzt plötzlich mehr als 2000 Menschen in hohen politischen Ämtern alle gesagt haben was Angela Merkel sagt. Und der Volksmund weiß, wenn mehrere Menschen – die auch noch hochrangig Positionen begleiten – das gleiche sagen, so muss an der Sache etwas dran sein. Und so kam es dann auch zum Lockdown - ohne bemerkenswertes Aufmucken der Bevölkerung, denn es gab ja eine positive öffentliche Meinung. Zumindest anfänglich.